Gerhards Fotoblog

Microsofts mystische Welt

Es fing alles recht harmlos an: Meine Backup-Festplatte ging nach vier Jahren treuen Dienst in die ewigen Jagdgründe des Datenhimmels. Soweit kein Problem, da meine Daten in sehr kurzen Intervallen auf eine interne (die grad verstorbene) und zwei externen Platten gesichert werden, von denen sich immer eine außerhalb des Hauses befindet. Manche halten das vielleicht für paranoid; ich halte das für ein Minimum.

Bei diese Gelegenheit wollte ich dann gleich noch meine Systemplatte, die mit ihren 120GB ihren Aufgaben entwachsen ist gegen eine größere tauschen. Also die alte Platte raus und die neue Systemplatte rein (die neue Sicherungsplatte ist nun auch extern). Und hier beginnt die Geschichte, die man lieber liest, als erlebt.

Die erste Meldung, die ich lesen konnte war sinngemäß: „kann die Festplatte mit der Nummer blablabla nicht finden!“ Da fiel mir ein, dass ich ja auf der Sicherungsplatte einen Teil vom Linux System installiert hatte und der Grub-Bootloader nun genau diese Platte vermisst und ich in diesem Moment keine Ahnung hatte, wie ich dem erklären könnte, dass er sie nie wieder erkennen wird. Kein Problem, dacht ich, dann installiere ich gleich Windows 10 auf die neue Systemplatte.

Die alte SSD im System deaktiviert und los ging es mit der Installation. Bei der Menge an Programmen dauert das einen ganzen Tag bis die wichtigsten installiert sind. Gewundert hat es mich, dass ich überhaupt nicht nach einer Seriennummer gefragt wurde, nachgegoogelt, Stelle gefunden und meine Windows 7 Nummer eingegeben. Das Update hatte ja letztes Jahr super funktioniert.

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Diesmal war es anders! Naja, ich dachte, dass die Seriennummer nun wohl doch nicht für Windows 10 geeignet ist und ich werde wohl erst eine Windows 7 Installation durchführen müssen und dann ein Update machen. Schade um die vergeudete Zeit. Windows 7 war dann recht schnell auf dem Rechner und ich wunderte mich, dass schon während der Installation keine Nachfrage zur Seriennummer kam. Von den Erfahrungen der letzten Installation geprägt suchte ich gleich nach den Möglichkeiten der Eingabe und wurde auch schnell fündig. Allerdings hat das die Situation nicht im geringsten verändert – die gleiche Anzeige lächelte mir entgegen.

Nun hat man ja auch bei der Registrierung der Seriennummer noch die Option, das ganz telefonisch zu machen und das war dann der nächste Schritt. Nach Eingabe scheinbar endloser Zahlenkolonnen kam am Ende nur die Anzeige, dass es sich hierbei wahrscheinlich um Softwarepiraterie handelt.

Das hat mich überrascht, den diese Windows 7 Ultimate Version hatte ich im Dezember 2010 kaufte hat immer funktioniert! Bei meinem Experimentierverhalten bin ich gezwungen, mindestens einmal pro Jahr eine Neuinstallation durchzuführen und das Update auf Windows 10, vor einem halben Jahr, lief auch noch gut. Und jetzt soll es sich um Softwarepiraterie handeln? Der Anruf beim Microsoft Support war nun auch nicht erfolgreich. Dort habe ich die Seriennummer angegeben und diese war im System überhaupt nicht gelistet. Eine Erklärung dafür gab es nicht – ich solle doch mal eine Kopie des Labels per Mail senden.

Dann kam mir die Idee, ich hab ja noch das Label am Rechner von der Home – Version. Nun lässt sich ja leider nicht die Ultimate Version mit einer Home – Seriennummer freischalten. HP lieferte damals keine Installationssoftware mit, also wieder suchen. Microsoft bietet auf seiner Homepage an, Windows 7 für Besitzer eines gültigen Keys downzuloaden.1

Tja, da hab ich wohl nicht mit den Geschäftspraktiken, die hinter den Kulissen laufen gerechnet. Bleibt noch der Versuch, von HP ein Image zu Brennen herunterzuladen. Der Link ist schnell gefunden, doch das Ergebnis recht verwirrend. Man wird zur Microsoft Seite weitergeleitet und nach einigen Irrwegen ist man wieder am Ausgangspunk und benötigt den Product Key einer nicht vorinstallierten Version.

Was nun, eine Windows 10 Version wollte ich mir nicht für diesen doch recht betagten, aber immer noch sehr flotten Rechner (I7, 3GHz), nicht kaufen. Dann kam mir die Idee, vielleicht lässt sich die Seriennummer von meiner alten SSD auslesen.

Nun ging es ans Eingemachte. Wie kann ich den Grub Bootloader entfernen oder mindestens zum lesen meiner Festplatte überreden. Google sei Dank, war dieses Problem schnell beseitigt. Das alte System lief mit einigen Einschränkungen an (einige Dateien waren auf der defekten Platte ausgelagert) und mit dem Product Key Viewer war ich schnell am Ziel. Das war ja schließlich meine eigene legale Nummer.

Mit diesem Key funktionierte die Installation einwandfrei und wieder war ich einen Tag beschäftigt, alles zu installieren. Alles funktionierte einwandfrei. Alles?, war da nicht noch eine Kleinigkeit? Beim Zugriff auf meine Daten, bekam ich den Hinweis, dass ich keine Berechtigung habe. Unter „Eigenschaften – Sicherheit“ gibt es die Möglichkeit, den Besitzer zu ändern. Da kam aber nur der Hinweis, dass es sich um einen unbekannten Besitzer handelt und der ließ nicht zu, mir eine Berechtigung zu erteilen.

Der Gedanke, meinen Rechner samt Monitor mit einem 5Kg Hammer zu pulverisieren hatte fast Prioritätsstatus erreicht. Nach einer Woche von morgens bis abends vor der Kiste hocken bedarf es schon einiger Überlegungskunst, den Emotionen keinen freien Lauf zu lassen.

Es gibt für jede erdenkliche Schwierigkeit die passende Lösung. Hier war es das kleine Programm ResetPermission. Jetzt scheint die Sonne wieder über der kleinen digitalen Welt.

Um eventuelle Konflikte mit Linux zu vermeiden hab ich meine System- und Datenplatte bei der Installation physikalisch getrennt und nach fertiger, kompletter Installation ein Image beider Betriebssysteme für das nächste mal angefertigt. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich wieder sehr viel lernen konnte

So, und letzte Woche hab ich mich von allen digitalen Spielzeugen, inclusive Handy, ferngehalten um mich wieder in der normalen Welt zu integrieren. Außerdem möchte ich mich hier bei meiner Frau bedanken, die liebevoll über meine abwesende Anwesenheit hinweg sah und sich nicht über meine digitalen Antworten (ja/nein) beschwerte.

0 Kommentare zu “Microsofts mystische Welt

    1. Gerhard Reimann Post author

      Des halb lehne ich andere Systeme ab, ich stell mir das voll fad vor, wenn so eine Kiste problemlos läuft, Wo bleibt da der Thrill, der tägliche Kampf die Bits und Bytes unter Kontrolle zu halten.

  1. derOllmann

    WIndows ist seit W2000 eigentlich immer besser geworden, mal vom Ausrutscher mit Vista abgesehen (welches für eine Vielzahl meiner grauen Haare verantwortlich ist) und gerade Windows 7 fand/finde ich eigentlich ein recht gelungenes OS. Derzeit habe ich nur ein W10 System sozusagen im Probebetrieb. So ganz können wir noch nicht miteinander aber vielleicht wird das noch. Ansonsten kann ich der Quintessenz nur zustimmen: man lernt immer wieder was dazu.
    Ich habe das übrigens schon lange so, dass ich nach der Installation des OS und der wesentlichen Programme die komplette Platte erstmal klone um im Gefahrenfall eine Fallbacklösung griffbereit zu haben. Inzwischen sind auf meinen internen HDDs nur noch das OS und die Programme. Alle wichtigen (und selbst erstellten) Daten habe ich auf einem Synology NAS (Raid) und das wird dann auch noch 14tägig auf zwei externe HDD im Wechsel gesichert (eine klemmt immer dran, die andere ist an einem sicheren Ort verwahrt). Wobei ich das NAS nur einschalte, wenn ich die Daten auch brauche (was die Gefahr für Ransomware quasi eleminiert).
    Für weniger „geheime“ Daten habe ich noch ein mit Boxcryptor gesichertes Cloud Laufwerk (von jedem meiner Endgeräte erreichbar), welches einmal im Monat auf eine weitere externe HDD gesichert wird. Hört sich vielleicht aufwändig an, ist in der Praxis aber eigentlich ohne großen Aufwand zu betreiben.
    Soviel zum Thema Paranoia :-)))

    1. Gerhard Reimann Post author

      Dein Sicherungssystem wirkt recht interessant und durchdacht. Die Trennung von System und der eigenen Dateien ist die wichtigste Voraussetzung für eine sinnvolle Sicherung. System/Programme lassen sich immer wieder neu aufsetzen – aber die Daten müssen geschützt und gesichert werden. Zwischenzeitlich hatte ich schon mal an ein RAID gedacht, es aber wieder verworfen, weil die Gefahr eines defekten Controllers, den es dann vielleicht nicht mehr gibt, nicht zu unterschätzen ist. Mit den einzelnen Platten fühle ich mich wohler. Mein Backup mache ich mit PersonalBackup und das sagt mir schon, welche Platte gerade benötigt wird (Mo, Do, Sa). Wer einmal einen Datenchrash hatte wird vorsichtig; mein letzter war vor 28 Jahren. Da fing ich dann an, meine Daten auf 2 optischen Platten zu sichern

      1. derOllmann

        Danke für die Blumen. Das Thema wird im privaten ja meist eher stiefmütterlich behandelt, bis es dann zu spät ist („Du kennst Dich doch mit PCs aus, kannste mal gucken? Irgendwas geht da nicht mehr bei mir und ich brauche bis morgen unbedingt…“).
        Das NAS Raid nutze ich so gesehen auch nicht als DatenSICHERUNG sondern als Verfügbarkeitsdarstellung mit Ausfallsicherheit (eben Raid 1). Da mein NAS (Synology DS215) die Platten im EXT4 Format verwaltet, habe ich auch kein Problem im Notfall diese auszubauen und mit dem Linux OS meines Notfallrechners darauf zuzugreifen. Außerdem ist da ja noch die Sicherung auf externer HDD welches direkt am NAS hängt (per USB).
        Das ganze ist wirklich eine sehr praktische Lösung; allerdings nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ich habe mir das abgeschaut und an meine Bedürfnisse angepasst. So habe ich ingesammt 2 NAS in Betrieb: eines mit wichtigen Daten (v.a. Fotos und Dateien) welches nur bei Bedarf eingeschaltet ist und ein weiteres mit Musik und Filmen, welches permanent verfügbar ist (nur nachts fährt es automatisch runter und morgens wieder hoch).
        Ich hatte das übrigens früher auch mal mit einzelnen Platten. Nachdem dann aber eine, nagelneue HDD nicht mehr lesbar war, habe ich mir Gedanken über Redundanz gemacht. Die jetzige Lösung ist das Ergebnis.
        Ach ja, optische Medien: ich archiviere ZUSÄTZLICH zu o.g. Vorgehen meine gesamten Fotos noch auf CDs, DVDs bzw. BD-R – nur für den Fall eines EMP 😉
        Grüße vom Paranoiden Hobbyknipser :-)))

  2. Baltrusch Photo

    So kann man sich auch über die Tage beschäftigen. 🙂
    Ich habe meine Daten auf zwei externen Festplatten gesichert, zusätzlich packe ich meine JPGs (RAW ist zu groß) in die Wolke. Denke, somit habe ich alles soweit gesichert. Was ich aber dieses Jahr noch machen muss, ist, die Daten der alten Festplatten auf neue umzukopieren. Bekanntlich halten auch Festplatten nicht ewig.

    1. Gerhard Reimann Post author

      Leider halten die Festplatten nicht ewig. Bisher war eine Betriebsdauer von 4-5 Jahren nie ein Problem (das ist so mein Intervall). Diesmal waren es gerade mal 4 Jahre bis zum Defekt.Die riskanteste Variante ist die Sicherung auf CD/DVD, da liegt die Haltbarkeit je nach Lagerung wenn man Pech hat nur bei einigen Monaten.Die Wolke ist wahrscheinlich auch ein sicherer Ort zu Lagerung, da kann man im Verlustfall bei vielen Daten sammelnden Organisationen nach einer Kopie anfragen.

  3. juergen61

    Hallo Gerhard,
    das stimmt , wäre langweilig wenn ein System immer nur funktioniert…das hat sich Apple auch gedacht und seit dem Update auf 10.11.3 bin ich hier auch zum Digitalenproblemlösereinsiedler geworden der nicht mehr mit der Familie spricht sondern nur noch seinen Computer anbrüllt…zwischen diversen halbleeren Kartons Fertigpizza und ganz leeren Weinflaschen…allerdings muss ich meine externen Festplatten loben…die halten und laufen (4TB Seagate platten in InXtrongehäusen) …dafür werden sie vom neuen OS mal erkannt , mal nicht, mal als Fehler…usw…im Zweifelsfall muss ich dann das Laptop mit dem alten OS rausholen und siehe da…alles klappt…ich beame mich am besten wieder 3 Jahre zurück 🙁
    LG Jürgen

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