Gerhards Fotoblog

Marillenblüte, oder Tage die man nicht vergisst

An einem schönen Sonntag in die Wachau zu fahren ist etwa genauso gemütlich wie im großstädtischen Berufsverkehr. Die Parkplatzsuche wird zur Geduldsprobe und ist mit dem Suchen von weißen Eiern im Schnee zu vergleichen. Ich will schon ein paar Radfahrer fragen, ob sie ihre Räder gegen mein Auto eintauschen wollen, aber die sind zu schnell zwischen den wartenden Autos verschwunden. Endlich doch einen Parkplatz gefunden, den Blutdruck von 250 auf Normalwert sinken lassen und dann los, denn wir sind ja verabredet.

Hansi übernimmt sogleich die Führung unserer kleinen Truppe, bis zur ersten Weggabelung. Falsch abgebogen und „ja, hier sind wir richtig“ sagt der beste aller Fährtensucher. Das bezieht sich jedoch nur auf das Finden von Wirtshäusern, bis Karte und Kompass (ja, sowas gibt es heute immer noch) die Oberhand gewinnen. Zurück will Hansi nicht, ok dann gehen wir erstmal weiter, dann kommt ein Pfad, den gehen wir dann hoch zum Hauptweg. Die Höhenlinien kennt er nicht, das wird ein Spaß. Auf halbem Weg kommt uns eine Truppe halluzinierender Spaziergänger mit ihren „russischen Klos“ (das sind zwei Stöcke, an dem einen hält man sich beim Hinhocken fest und mit dem anderen vertreibt man die Wölfe) mit den Worten „da vorne geht es nicht weiter“ entgegen. Hansi:“habe ich doch gleich gesagt„, worauf ich nur auf die Karte deute, in der stillen Hoffnung das sie auch stimmt, „da vorne kommt der Pfad„.

Den Pfad erreicht und ab geht´s nach oben, 200 Höhenmeter auf einer Strecke von etwa 500 m – puh. Dann noch einen kleinen Bogen der Route hinzugefügt, die Mädels sind begeistert, Hansi keucht. Dann kommt sein Auftrag, Hunger und Durst machen sich bei uns bemerkbar. Zielstrebig, als wäre er hier geboren, steuert er uns zu einem Heurigen und sieht schon aus großer Entfernung – mit geschultem Auge – dass da noch ein Tisch frei ist. Kurz bevor wir eintreffen, erreicht auch eine Radfahrergruppe den Heurigen. Das war´s dann mit dem Tisch. Mein Auto habe ich für den Tausch gegen ein paar Fahrräder nun auch nicht dabei.

Zum nächsten Heurigen! Doch es ist der Wahnsinn, entweder überfüllt, keine warme Küche mehr, oder geschlossen.

Nun sind wir genau dort, wo unzählige Marillenbäume ihre Blütenpracht zeigen und die Herzen erfreuen – oder auch nicht. Denn von der hoch gepriesenen Blütenpracht ist nicht mehr zu sehen, als vereinzelte Exemplare. Und dafür sind wir extra angereist?  Warum sich die Leute wie die Depperten in kilometerlangen Altmetallkolonnen einreihen um diese Marillenblüte zu erleben, wird mir nach den Erfahrungen des heutigen Tages wohl ein Rätsel bleiben.

Auf dem Weg nach Hause fahren wir dann noch an unzähligen, überfüllten oder geschlossenen Gasthäusern vorbei bis dann, kurz vor dem rettenden Zuhause, doch noch ein Platzerl für uns in einer Pizzeria frei ist.

 

0 Kommentare zu “Marillenblüte, oder Tage die man nicht vergisst

  1. ellen

    Oha…liest sich eher frustig als lustig.
    Schöne Landschaft mit vielen PKWs, alle wollen das selbe: die tolle Blüte miterleben.
    Gute Nacht!

    1. Gerhard Reimann Post author

      So frustig war es nun auch nicht, die Wanderung war recht lustig und es war ein andere, interessante Landschaft. Die Ortschaften waren total überfüllt – das war dann weniger lustig.
      Das mit der hochgelobten Blütenprachtfindet wohl an anderer Stelle statt.
      Aber ich mag Tage, an denen nicht alles so verläuft, als gewünscht, denn diese Tage vergisst man nicht.
      Wünsch Dir noch eine gute Nacht

  2. Joachim Dudek

    Liest sich wie eine Beschreibung eines sonnigen Sonntags, an dem alle nur das Eine wollen. Raus, raus, raus……
    Die Blütenpracht sieht aber auf den Fotos noch ganz ordentlich aus, oder waren das die letzten Reste?

  3. Lis

    Ach lieber Gerhard…hört sich etwas nach Stress an…
    hättest Du doch Deine Fahrt lieber ins Burgenland genommen, da gibt es tausend schöne blühende Bäume und Plätze ohne Touristen. Natürlich nicht die Gegend um den Neusiedler See. Ab der Mitte bis in den Süden des Landes (zum Beispiel Eisenkappel) eine erholsame und schöne ruhige Natur… einfach nur zum genießen. Ich weiß es, ich lebe da!

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